Die sieben Säulen des Anspruchs

Die sieben Säulen des Anspruchs

Ich bin ein Watchlister, jeder Cache, den ich angegangen bin, ob nun DNF oder nicht, kommt zunächst einmal auf die Watchlist. Viele kommen nach einigen Nachfolgerfunden wieder weg, aber sehr viele verbleiben teilweise über Jahre dort. Und da bekommt man dann natürlich einiges mit, begeisterte Logs, Erinnerungen weckende Logs, Kurzlogs, Copylogs. Einige von ihnen lassen durchblicken, dass die Sucher mehr erwartet haben, und darum geht es in diesem Artikel: Anspruchsdenken.

Nach einigem Nachdenken bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es sieben Typen des Anspruchsdenkens beim Geocachen gibt. Eigentlich sind es nur sechs, aber sieben ist eine tolle Zahl. Aber lasst Euch überraschen:

1. Beim Cachen fängt alles beim Owner an, ohne Owner keine Caches. Hier kann man einen grundlegenden Anspruch verorten: Ich will einen guten Cache legen. Sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber nicht. Die resultierenden Caches fungieren als regionale Leuchttürme, die begeisterte Logs(oder auch nicht, siehe Punkt 4), Favoritenpunkte, Plätze auf Bookmarklisten, den Status eines Geheimtipps oder gar überregionale Bekanntheit erlangen wie The Rock oder Voss-Margarine.

2. Die zweite Säule des Cachens sind natürlich die Sucher, ohne die die ganze Ownerei keinen Sinn macht(auch wenn es Owner gibt, die das manchmal vergessen). Hier korrespondiert der Anspruch: Ich will einen guten Cache besuchen. Was ein guter Cache ist, liegt natürlich im Auge des Betrachters. Bei der Auswahl der Caches helfen die oben angeführten Informationsquellen. Diese Cacherspezies verbringt leider sehr viel Zeit mit der Vorauswahl der zu besuchenden Caches :traurig:

3. So, das wars? Neee, kommen ja noch fünf Punkte :cool: Die beiden obigen Säulen haben nämlich noch dunkle Geschwister in Form überzogener Erwartungen :schockiert: Ownerseitig äußert sich das dadurch, dass die betroffenen Owner epische Logs, eine Favoritenquote von mindestens 80% und Begeisterungsstürme erwarten und dann aus allen Wolken fallen, wenn der Cache auf der heutigen Tour mit Hein Dösbaddel gut gefunden wird. Oft denken sich die Cacher nichts dabei oder wollen nicht mit Worten jonglieren, machmal ist es aber auch einfach die erwähnte überzogene Erwartungshaltung, dass beispielsweise jeder Sucher es toll findet, nach hundert Metern durchs Gestrüpp einen Petling an einer Baumwurzel zu finden.
Oder dass auch Kurzlistings s e l b s t v e r s t ä n d l i c h  Langlogs bekommen sollen.

4. Betroffene Sucher hingegen werden durch Listing, Logs oder sonstige Quellen aus 1  zum Cache geführt und erwarten ein episches Erlebnis, das alles, was Tolkien ersonnen hat, in den Schatten stellt, mundgeblasene Glaspetlinge, feuerspeiende Dosen, atemberaubende Naturerlebnisse, Sound- und Lichteffekte, auch wenn davon nirgendwo in Log und Listing was erwähnt wurde. Und wenn am Ende dann “nur” eine Reflektorstrecke mit ein paar Field Puzzles und eine schnöde Plastikdose am Ende übrigbleibt, ist die Enttäuschung groß und es wird konstatiert, dass das alles noch ausbaufähig sei :aehm: In der Regel wird so etwas von Suchern geäußert, die selbst noch nicht die Freuden der Ownerschaft erlebt haben. Dass die erwarteten Installationen im stadtnahen Erholungswald nicht unbedingt zu erwarten sind, sollte klar sein, der Rest ist – wie so oft – Einstellungssache.

5. Die ersten vier Punkte haben sich mit überzogenen Erwartungshaltungen beschäftigt, aber selbstverständlich gibt es auch unterzogene Erwartungshaltung: Leicht erkennbar blitzt es im Listing auf: “Hier lag noch keiner”, “Mein erster Cach” und ähnliche Informationen lassen erahnen, dass hier bestenfalls Durchschnittskost zu erwarten ist, in Bezug auf Location und Versteck.  Oft endet der Elan des Owners mit dem Publish, den Rest erledigen Sucher, Wetter und zum Schluss der Reviewer mit einer Zwangsarchivierung.

6. Was für Owner gilt, gilt dann ebenso für die Sucher: Da ist ein Symbol auf der Karte, das weggefunden werden muss, was da liegt, ist total egal, Hauptsache Fund, Zustand der Dose, Informationen im Listing, alles egal, geloggt wird eh einheitlich

7. Die siebte und letzte Säule ist die abgestufte Säule. Sind die ersten sechs Stereotypen in ihrer reinen Form doch sehr selten, bewegt sich die Mehrheit von Ownern und Suchern natürlich irgendwo dazwischen.

Conclusio: Allen kann man es gar nicht recht machen, das heisst aber nicht, dass man keinerlei Rücksichkeiten auf die Befindlichkeiten von Ownern und natürlich auch Suchern nehmen sollte. Ein aufwendiger Cache hat schon mehr als ein schnödes Copylog verdient, und wenn 90% aller Besucher eines Tradis nichts weiter als Belangloses zu vermelden haben, könnte es auch am Cache liegen.

Ein Gedanke zu „Die sieben Säulen des Anspruchs

  1. >>Da ist ein Symbol auf der Karte, das weggefunden werden muss, was da liegt, ist total egal, Hauptsache Fund<<

    Das ist ja so wahr. Und zwei Caches später weiß man nicht mal mehr den Namen von ersten Cache.

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