Old School oder altmodisch?

Old School oder altmodisch?

“Old School”, diesen charmanten Begriff lese ich ab und zu mal in Logs und vereinzelt sogar in Logs meiner eigenen Caches. Damit drücken Cacher ihre Wertschätzung für eher neuere Caches aus, die “wie früher”, also ohne überflüssigen Schnickschnack, dafür aber sorgfältig eingemessen in einem stabilen Container platziert werden. Das heisst natürlich nicht, dass früher alle Caches so gemacht wurden, aber man erinnert sich wohl gerne an die alten Zeiten, zumal die Szene sich in den letzten Jahren doch gewandelt hat. Wie schon in der letzten Rezension geschrieben, verlieren Nachtcaches und Multis mit mehreren physikalischen Stationen  immer mehr an Bedeutung. Das heisst nicht, dass keine mehr herauskommen, aber es werden einfach immer weniger. Die Gründe dafür sind vielfältig und wurden bereits hier und anderswo ausgiebig thematisiert, so dass ich darauf nicht weiter eingehen möchte.

Geocaching ist schon lange kein geheimes Hobby mehr, das von ein paar Eingeweihten betrieben wird, auch ist die Community viel heterogener geworden. Diese Vielfältigkeit bringt viele neue Impulse und Ideen mit ins Spiel ein, so gehört beispielsweise die gerade einmal vier Monate alte Hybridletterbox Strukturlos im Kneeden mit zu den Besten, die ich jemals gespielt habe, hier hat der Owner verdammt viel Mühe in eine ungewöhnliche Wegführung gesteckt, die auch entsprechend honoriert wird. Wobei der Owner selbst auch schon mehr als nur ein paar Jahre dabei ist und sich im Laufe der Jahre zu seinem jetzigen Niveau hochgearbeitet hat. Der Owner der hier im Blog thematisierten Drei-Fragezeichen-Runde hingegen ist noch nicht mal seit einem Jahr dabei und hat praktisch aus dem Stand eine tolle Runde kreiert.

Auf der anderen Seite ist der Trend zur allgemeinen Verflachung ungebrochen und Big C hat diese Entwicklung noch einmal weiter forciert. Neucacher – so mein Eindruck – machen in der Regel einen weiten Bogen um alles, was kein Tradi ist und die Logs sind für viele Althasen oft ein Ärgernis. Eben weil sie (die Neucacher) es nicht besser wissen, in der offziellen App, die viele nutzen, muss man andere Logs erst einmal finden, Events fanden lange Zeit nicht statt und die allgemeine Vorsicht bei zufälligen Begegnungen – Stichwort Abstand halten – hinterlässt natürlich auch Spuren, ebenso die Granularisierung der Informationskanäle.

Früher gab es den Geoclub und das Cachewiki als erste Anlaufstellen,  heute haben das unzählige Facebook-, Telegram- und Whatsappgruppen und natürlich auch Instagram & Tik Tok übernommen, je nachdem, wo die informationssuchenden Neucacher landen, wird ihnen dieses oder jenes Bild vom “richtigen” Geocaching präsentiert.

Unser Hobby befindet sich in einem stetigen Wandel und wenn neue Multis, Nachtcaches und Co. zwar sehr Old School sind, aber schlicht und einfach von der neuen Cachergeneration gemieden werden, während die alte Garde nach und nach in den Ruhestand geht, warum dann  überhaupt noch die Mühe machen, sind die dann nicht einfach nur altmodisches Zeugs, das keinen interessiert? Noch ist es zum Glück nicht so weit und auch in den nächsten Jahren werden solche Caches noch ihre Klientel haben und vielleicht male ich auch etwas zu schwarz, Geocaching wurde ja nun schon oft – auch hier – für tot erklärt ;-)

In diesem Sinne: Bis bald im Wald und Happy Hunting!

 

2 Gedanken zu „Old School oder altmodisch?

  1. Ich kann es manchmal nicht mehr hören, immer das “Früher war alles besser”! Diese Diskussion ist schon so alt! Steht sogar schon in der Bibel, siehe dazu Koh 7,10, (Doch frag nicht: Wie kommt es, dass die früheren Zeiten besser waren als unsere? Denn deine Frage zeugt nicht von Wissen.). Dies wurde übrigens schon etwa 200 Jahre vor Chr. geschrieben, woran man sieht wie lange schon so geredet wird. Natürlich ändert sich die Zeit und auch Geocaching hat sich verändert und wird sich weiter verändern oder soll man sagen weiterentwickeln? Aber hat sich denn wirklich so viel verändert? Ich erinnere mich an unsere ersten Tage (vor 10 Jahren), da gab es zwar super gemachte Caches, deren Verstecke an die Umgebung angepasst waren, aber auch die Filmdose mit nassem Logbuch versteckt zwischen den Zweigen einer Weide. Also auch kein wirklicher Unterschied. Ich hab auch mal geschaut was ich am Anfang so als Log geschrieben habe. Selbst bei den guten Caches hab ich meist nur ein Satz, vielleicht auch zwei geschrieben. Da war ich also auch nicht besser als die heutigen Neuen.

    Über das Loggen mit Smileys hab ich mich auch schon geärgert und hab dann auf einem DNF mit 🙈👀🍅🍅geantwortet, woraus sich dann eine bildliche Unterhaltung entwickelte, wo ich zum Schluss dann noch das Versteck erklärte:🌱🍀⬇️⛳⬇️☘🌱. Hat dann irgendwie auch Spaß gemacht!

    Heute (oder hab ich das vor 10 Jahren einfach nicht bemerkt) gibt es allerdings zwei (Haupt-)Gruppen von Cachern, ich nenne sie Genuß- und Statistikcacher. Das Problem ist dass diese Gruppen ganz andere Anforderungen an die Caches stellen.

    Zu diesen Problem hab ich bei Saarfuchs schon mal folgendes geschrieben:

    Das Problem ist die unterschiedlichen Spielauffassungen der beiden Gruppen und die damit verbundenen Anforderungen an das Spiel. 

    Ich zähle mich zu den Genußcachern und finde ca. 250 Caches pro Jahr, da hat man andere Vorstellungen wie ein Cache aussehen soll, als ein Powercacher der sich vorgenommen hat 500 Caches an einem Tag zu finden. Also kurz gesagt unser Berührungspunkt sind die Caches. Nun gibt es sicherlich für beide Gruppen spezielle Caches. Doch es ist nicht so einfach diese auseinander zu halten. So trifft der Genusscacher auf lieblos versteckte Powerdosen und der Statistiker ärgert sich, dass ein scheinbar schneller Tradi doch ein raffiniertes Versteck hat und sieht sein angestrebtes Ziel, wegen der längeren Suche, schon gefährdet. Leider bedient das HQ scheinbar nur noch die Powercacher wie es die Einführung des Attribut Powertrail zeigt. Warum gibt es kein Attribut für Caches mit kulturellen, wissenschaftlichen oder geschichtlichen Hintergrund oder für Cachereihen die zusammen gehören aber kein Trail sind? Oder für Wandercaches? Oder…? Dann könnte man doch besser selektieren!

    Ein weiterer Berührungspunkt sind die Logeinträge. Ein Statistiker wird wohl für seine 500 Tagesfunde keinen individuellen Log schreiben! Dafür hat er gar nicht die Zeit. Im Gegensatz dazu erwarte ich als Cacheowner eines 12 km langen Cache der die Rekrutierung eines Braunkohletagebaus beschreibt und die Veränderungen in der Landschaft aufzeigt, schon ein paar Worte wie die Landschaft aus der Retorte nun wahrgenommen wurde. Da reicht mir ein: „Auf unserer heutigen Tour, schnell und gut gefunden“, nicht aus. Moment mal, der Cache dauert gut 2,5 bis 3 Stunden! Schnell? Außerdem muss man doch Fragen beantworten wozu man etwas kombinieren muss! Schön, dass das gut geklappt hat. Aber ist dies alles was du von diesem Cache mitgenommen hast? Dafür hab ich mir die Arbeit gemacht?

    Noch zu den anderen Cachearten außer Tradi. Alle diese Caches verlieren nachdem die einheimischen Cacher ihre Homezone bereinigt haben an Bedeutung. Dies ist vollkommen normal und war auch immer schon so. Der Grund kennt Jeder, wenn man aus anderen Gründen (z.B. beruflich) irgendwo ist, kann man mal schnell mal ein Tradi loggen aber kein Multi usw.

    Ob dies alles nun ein Problem ist das unser schönes Spiel gefährdet? Oder ist alles nur “Windhauch” (wie es der oben genannte Bibelautor sagen würde)?

  2. Die Logs von “Altcachern” sind oftmals nicht viel besser. Unnütze und nichtssagende Logsignaturen und “Danke für das Legen und Pflegen” kann ich mittlerweile auch echt nicht mehr lesen.

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