Just another Abgesang

Just another Abgesang

Vor knapp einer Woche war es wieder einmal soweit: Groundspeak ging auf die Nutzer zu und wollte wissen, was eigentlich Cachequalität ist. Und alle User sind eingeladen, mitzudiskutieren. Aber lohnt sich so eine Diskussion eigentlich noch? Groundspeak hat in den letzten Jahren im hauseigenen Blog Tipps für gute Caches und gutes Loggen gegeben. Nur sprechen die Sonderaktionen der letzten Jahre eine andere Sprache: Ob nun Mary Hyde, die planetary pursuit oder aktuell die hidden creatures – letztenendes geht es doch wieder darum, viele Caches zu finden und Souvenirs zu ergatten, nix mit Cachequalität – vielleicht auch, weil der letzte Versuch, Cachequalität zu belohnen, doch einiges an Murren in der Community verursachte. Und noch immer sind sehr viele der 4000 Virtuals noch nicht veröffentlicht. Genauer gesagt harren noch fast 1400 der Veröffentlichung und von denen, die veröffentlicht wurden, hatten auch viele Probleme damit, durch das Review zu kommen.  Man könnte auch sagen, dass die ganze Aktion vielleicht nicht ganz durchdacht war. Vielleicht kann man Cachequalität einfach nicht algorithmisch erfassen und vielleicht ist eine Diskussion mit der Community zielführend. Oder auch nicht. Denn die bisherige Diskussion ist recht einseitig, weil der Grundtenor bei den meisten identisch ist:

Darüber, was gute Cachequalität und vor allem schlechte Cachequalität ausmachen, herrscht weitgehend Einigkeit. Was auch verständlich ist, weil nur ein Teil der Community überhaupt mitdiskutiert: Die Alt- und Oldschoolcacher, von denen es immer weniger gibt. Und von denen haben es wiederum viele schon aufgegeben, überhaupt noch mit Groundspeak zu sprechen, weil das Feedback in den letzten Jahren eher mau war, und warum sollte es dieses mal anders sein? So der Tenor, den ich allerdings nicht unbedingt teile ;-) Jedenfalls ist die Resonanz eher mau. Den meisten anderen dürften solche Diskussionen egal sein, vermutlich haben sie von dem Aufruf gar nichts mitbekommen, die klappern weiterhin unverdrossen irgendwelche Trails ab und angeln Caches aus Bäumen. Das ist das eine Problem: Die Diskussion findet mehr oder minder unbemerkt von der Öffentlichkeit statt.

Auch schon altmodisch: die gute alte Filmdose

Das zweite Problem dabei: Diejenigen, die die guten Caches auslegen und lieber einen guten als zwanzig schlechte Caches suchen und diese auch zu würdigen wissen, ziehen sich immer mehr zurück. Sei es, weil die Homezone leer ist, sei es, weil sie mit den Entwicklungen der letzten Jahre nicht einverstanden sind. Oder einfach keine Lust mehr haben, den 3. Aufguss einer Belanglosdose zu suchen. Es sind aber gerade diese Cacher, die die Akzente und Highlights im Doseneinerlei setzen, und diese haben ein echtes Nachwuchsproblem: Wann immer ein Multi oder sonstiger Langstreckencache herauskommt, kommen zwar Cacher, aber viel weniger als beim neuesten Popelmikro am Parkplatz. Und nach einem Jahr kommt kaum noch jemand. Da muss man sich schon ziemlich stark selbst motivieren, um einen Cache am Leben zu halten, den kaum jemand aufsucht. Und im verlinkten Post fehlen in der Tat auch viele alte Hasen, die offenbar nicht mal mehr Bock drauf haben, sich einzubringen. Und da sollten bei Groundspeak die Alarmglocken schrillen :shock:

Drittens finde ich es etwas befremdlich, dass Groundspeak die Qualitätsfrage überhaupt stellt, die wurde in mehreren HQ-Blogposts schon mehrfach und durchaus in Übereinklang mit dem o.a. genannten Teil der Community erörtert, den meisten anderen ist es ja eh egal, was sie finden, solange es nur genug davon gibt. Die Morsix-Regeln sind nicht der Weisheit letzter Schluss und auch nicht allumfassend, bieten aber eine Orientierung. Also bleibt die Frage, welche neuen Erkenntnisse man sich in Seattle erhofft :???: Und vor allem, ob es dann auch irgendwelche Konsequenzen oder Neuerungen geben wird. Ich hoffe es sehr :-)

Geocaching ist im Jahre 2018 ganz anders als 2008 und wird nie wieder so sein “wie früher”. Uns bleibt nur zu hoffen, dass es auch in Zukunft für alle eine Nische bei diesem schönen Hobby gibt. Und wenn nicht: Was hält uns davon ab, einfach so im  Wald zu wandern, im Moor zu picknicken oder mal die Aussicht von Bismarckturm zu genießen, ohne am Fundament eine Filmdose zu suchen? Und vielleicht kommt dabei ja auch eine Idee für einen richtig tollen Cache bei heraus :-)

In diesem Sinne: Bis bald im Wald und happy Zeitvertreib!

 

 

3 Gedanken zu „Just another Abgesang

  1. Hmm, ich möchte mal einen anderen Blickwinkel/Gedanken beisteurern:
    Als ich 2002 angefangen hatte gab es gerade mal 50.000 Caches, davon ca. 5.000 in Deutschland.
    2008 ca. 700.000 weltweit
    heute sind es etwas über 3 Mio, davon ca. 370.000 in Deutschland (stagnierend)
    Lustiger Weise gibt es die Qualitätsdiskussion schon seit 2004 – siehe Morsix-Regeln.
    Bei einer derartigen Steigerung ist es doch klar, dass die “einzelne” Dose selten etwas besonderes ist-sein kann…
    Klar, versucht Seattle mit den Souvenir-Aktionen die Fund-/Schlagzahlen zu erhöhen … aber da muß man ja nicht mitmachen, wenn man das doof findet, oder?
    Meiner Meinung nach ist das wirklich “Neue” die Erfindung des Souvenirs und ein paar Statistiktoole – alles andere ist Dosensuchen. Hier hat sich lediglich die Anzahl der potentiellen Dosen/Ziele erhöht. Aber letztlich ist es immernoch “nur” Dosensuchen, wie es immer schon war – Seattle ist diesbezüglich in meinen Augen sowas wie “veränderungsresistent” ;-)

  2. Ich betreibe Geocaching eigentlich nur noch sporadisch, suche mir nur noch bestimmte und qualitativ hochwertige Caches raus. Den ganzen Rummel der Eventepedemie oder den Sonderaktionen wohne ich aus Überzeugung schon nicht bei.
    Zur Zeit konzentriere ich meine Outdoorfreizeit auf die Harzer Wandernadel mit seinen 222 Stempelstellen. Da werden einem tolle Orte gezeigt und die meisten sind auch eine kleine Herausforderung sie zu erreichen. Da greift das Motto: der Weg ist das Ziel. Und wenn da am Wegesrand mal ein Multi oder ein gelöstes ? liegen sollte, greife ich dann auch mal zu. Ist aber zur Nebensache geworden…

  3. “Geocaching ist im Jahre 2018 ganz anders als 2008 und wird nie wieder so sein “wie früher”.“

    So ist es! Ich kann zwar nicht objektiv beurteilen, wie es “früher” war, aber ich sehe den Ist-Zustand, und der ist geprägt von der Befriedigung irgendwelcher Statistiken und von neuen Trends, die ebenso auf ersteres abzielen. Qualität haben tatsächlich die Wenigsten im Sinn.

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