Geovolution
- Das Einzige, was Bestand hat, ist die Veränderung – Heraklit
- Geovolution, die – die Evolution des Geocachings
Lange Zeit war es Konsens, dass ein Multi oder eine LBH so funktionieren: Du klapperst nach und nach Stationen ab, suchst Hinweise oder nimmst QTAs auf und am Ende hast Du eine Formel oder eine Wegpunktprojektion, die Dich zum Final führt. Ganz gleich ob nun linear(eine Station ergibt sich aus der jeweils vorherigen Station) oder in beliebiger Reihenfolge. Doch auch hier zeichnet sich ein Wandel ab: Ich glaube, dass es mit den Adventure Lab Caches anfing. Während man vorher BWWs o.ä. aus der Inschrift des Denkmals von Karl dem Kühnen ermitteln und daraus die Finalkoordinaten ableiten musste, machten die Adventure Lab Caches es für die Owner einfacher:
Anstatt sich eine Formel zu überlegen, haute man einfach die Frage „Was hält die Statue in der Hand?“ in den Builder und überließ es dann den geneigen Suchern, zu raten, ob die Antwort nun „Schwert“, „ein Schwert“, „sein Schwert“ oder gar „das Shcwert“ lautet. Hier konnte man aufgrund des fehlenden Eingabelimits beliebig viel Zeit mit der empirischen Ermittlung der vom Owner gewünschten Antwort verbringen. Oder einfach auf 1 bis 5 Gummipunkte verzichten, da die Adventure Lab Caches ja nach wie vor nicht auf der Webseite angezeigt werden, fällt das ja auch nicht weiter schwer.
Seit einiger Zeit sind nun GC-Apps auf dem Vormarsch, die im Prinzip schon mal klasse sind, für das Einstiegsrätel oder einzelne Stationen, zum schnellen Überprüfen einer Quersumme oder zum Checken der Finalkoordinaten. Da die weißen Flecken in der Mobilfunklandschaft nach und nach verschwinden, klappt das auch ganz gut. Und damit des nicht zu einfach wird, haben die meisten Apps ein Limit, zB 10 Versuche pro Stunde, damit man nicht einfach durch systematisches Durchraten zum Ziel kommt. Soweit, so gut.
Nur: Seit einiger Zeit kommen Caches raus, in denen der komplette Multi / die komplette LBH an eine App delegiert werden. Was das heißt: Du musst alle Stages lösen und in der „richtigen“ Schreibweise die „richtige“ Antwort für jede einzelne Station eingeben, um die Finalkoordinaten zu erhalten. Und das unterwegs auf der Mäusetastatur des Smartphones.
Wo man früher fehlende Zahlen vielleicht noch erraten oder durch rumprobieren herausfinden konnte, muss heute alles am Schnürchen laufen, da darf keine Stage fehlen, 5 oder noch mehr Werte, die alles mögliche von Zahlen über Shcwerter bis zu Halb- oder Vollsätzen sein können und die alle richtig sein müssen. Ich hatte bei meinem letzten, ich nenne ihn mal App-Cache, in der Tat das Vergnügen, 15(!) Werte korrekt eingeben zu müssen, wobei es durchaus Interpretationsmöglichkeiten(„Meint er das Wort oder das Wort?“, „Welches Schild denn genau?“) bei einigen Stages gab, da sind 10 Versuche schnell aufgebraucht. Gut, es hat sehr gut geklappt, das sei der Fairness halber erwähnt, Kopfgebrauch und gesunder Cacherverstand sind nach wie vor sehr nützlich.
Für die Owner ist es wie bei den Adventure Lab Caches wesentlich einfacher, wenn sich vor Ort was ändert, muss man keine Formeln zurechtbiegen(oder schlimmer noch, mit Korrekturfaktoren verhunzen), sondern einfach in der App ein Feld ändern. Und wenn dann vor Ort was geändert wird und der Owner es nicht mitkriegt, haben die Cacher halt Pech gehabt. Gut, das kann bei den altmodischen Nicht-App-Caches auch passieren, nur hast Du hier oft die Möglichkeit, fehlende Fragmente zu ergänzen.
Die geneigte Leserschaft ahnt vielleicht schon, dass ich dieser Spielart skeptisch gegenüber stehe, weil es wieder ein Schritt weg von „Irgendwas mit Koordinaten“ zu „There’s an app for that“ bedeutet.
Auf der anderen Seite habe ich schon vor über 10 Jahren Cacher getroffen, die mit dem Konzept des (QTA-)Multis überfordert waren und an der Statue Karls des Kühnen nach der Dose suchten. Und die Owner von Oldschoolcaches kriegen es ja seit Jahren mit, dass ihre Dosen jedes Jahr weniger ansprechend für die Community sind(ob das nun gut oder schlecht ist, muss jeder für sich selbst beurteilen).
Das Spiel war schon immer einem Wandel unterzogen und wird sich auch immer weiter wandeln, ob die Wandel unterm Strich mehr gutes oder schlechtes mit sich bringen, ist eine Geschmacksfrage, aufzuhalten sind sie nicht, also musst Du mit ihnen gehen und irgendwie das Beste draus machen.
In diesem Sinne: Bis bald im Wald und happy hunting!
6 Kommentare zu „Geovolution“
Interessant finde ich deinen Hinweis das Neucacher schon vor zehn Jahren mit Oldschool Multis und ihren Stationen überfordert waren. Ich kenne das auch, nur in einer anderen Form. Bei alten Multis sind die Koordinaten nicht so genau wie bei neueren Caches, okay Ausnahmen bestätigen die Regel.
Mal abgesehen von der Mühe der Owner damals Stationen einzumessen, war die Genauigkeit nicht so hoch. Wenn aber eine Abweichung von ein paar Metern bis in Zehnerbereich da ist, wird der Multi abgebrochen und es kommt ein DNF mit wüsten Beschimpfungen das der Cache nicht spielbar ist. Und manchmal auch ein NA weil man es nicht gewohnt ist den Suchradius zu erweitern.
Das hat seit etwa 5 bis 6 Jahren zugenommen.
Sehr interessant.
Was für Apps sind das?
Ich installiere nur wenige und vertrauenswürdige Apps und würde niemals irgendeine App installieren.
Gibt es Beispiele dafür?
Und was kommt als nächstes? Keine Stages mehr, die App prüft nur, ob man den vorgegebenen Weg gegangen ist und zeigt dann die Koordinaten an?
Moin,
gemeint sind Web-Apps wie gc-apps, Certitude und Co.
Moin,
guter Beitrag. Das nervt mich auch zunehmend. Da ich grundsätzlich mit einem GARMIN-Gerät unterwegs bin, sortiere ich derartige Multis o.a. vorher aus. Sie kommen auf die Ignore-List. Mit dem Smartphone überprüfe ich allenfalls Koordinaten, falls sie mir nicht plausibel erscheinen und es einen Checker gibt.
Am meisten stören mich aber Emojis im Cachenamen. 🤮 Aber das ist eine andere Baustelle.
Gruß, Harald.
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