Fragile moralische Balance

Fragile moralische Balance

Ja, das Thema „Loggen mit Koordinatenlisten“ lässt mir (und anderen) keine Ruhe. Ja, in den Guidelines steht nirgendwo, dass man Rätsel selber lösen und Multis komplett abwandern muss. In den Guidelines steht aber auch nicht, dass der FTF sofort online geloggt werden muss, wenn man das Logbuch signiert hat, trotzdem bestehen manche Cacher darauf. Ich würde beide Themen unter „Respekt im Umgang miteinander“ verbuchen. Und das ist gar nicht so einfach.

Nehmen wir als Einstieg „FTF sofort online loggen“. Einige finden das essentiell, andere, die gerne Logs lesen sind von „FTF Log folgt“ eher genervt. Was ist denn jetzt „richtig“? Eben, das lässt sich überhaupt nicht sagen. Als Owner und Inhaber einer großen Watchlist ist meine Ansicht: Loggt doch bitte gleich anständig. Treppchenplatzjäger hingegen wollen schon wissen, ob sie überhaupt noch eine Chance haben, bevor sie sich auf den Weg machen. Ob die dann auf der Autobahn einen U-Turn machen und traurig nach hause fahren, wenn „TTF Log folgt“ reinkommt, weiß ich natürlich nicht.

Kommen wir nun zum eigentlichen Thema: Das Leercachen einer Zone mit einer entsprechenden Koordinatenliste, ganz gleich ob nun Straßenrandtradi, Wandermulti oder D5-Mystery, am besten noch garniert mit einem aufgeblähtem Einheitslog, ist das eine Extrem, „Nur selbst gelöste besuchen“ das andere, und natürlich gibt’s dann noch „Mir doch egal“, wer der Meinung ist, kann hier weiterlesen.

Dazwischen gibt es eine doch erstaunliche Fülle von, nennen wir es „alternativen Ansätzen“, die ich hier einmal runterschreiben werde, mit 1, 2 Anekdoten versehen. Also:

  • Das Zielgebiet aufmerksam absuchen, unter Zuhilfenahme des Hints, Achten auf frisch niedergetrampeltes Gras, Ausschließen bekannter Locations(Abstandsregel) etc. Es gibt hier eine Cacherin, die das regelmäßig macht und auch schon einige FTFs damit gemacht hat. Finde ich ziemlich cool als Lösungsweg
  • Zufallsfund. Ja, passiert. Hatte ich, bis jetzt 3x, wenn ich mich recht erinnere, 1x Tradi, den ich nicht auf dem Schirm hatte, ein Mystery und auch einen Langstreckenmulti, bei dem ich im Vorbeibegehen die Location von einem Logselfie wiedererkannte.
  • Anhand von Logfotos. Damit meine ich nicht das Auslesen der Koordinaten aus dem EXIF, das geht ja eh nicht mehr, sondern versuchen, den GZ anhand von Fotos einzukreisen. Hatte ich bei einem sauschweren Mystery, bei dem jemand sein Fahrrad am Eingang eines kleinen Wäldchens fotografiert hatte, von dem ich wusste, wo es ist.
  • Von einem Cacherfreund auf gemeinsamer Tour auf einen Mystery hingewiesen werden.  Klar, warum nicht? Das ist ja kein planmäßiges Abgrasen der Gegend.
  • Formelknacken, beinhaltend auch das Durchspielen von QTA-Multis oder das Zuordnen von Bildern bei Fotomultis. Mache ich gerne, finde ich demzufolge auch völlig in Ordnung, weil damit eine Beschäftigung mit dem Listing einhergeht.
  • Koordinaten einzelner Caches weitergeben. Schwierig. Mache ich ab und zu, beinhaltet aber auch immer die Gefahr, dass das Teil dann auf einer Lösungsliste landet.
  • In einer GC-App systematisch herumprobieren. Ja, wenn der Owner darauf setzt, anstatt eine Formel aufzustellen. Klappt mal mehr, mal weniger gut, je nachdem, was für Antworten gesucht werden. Siehe auch hier.
  • Gemini, ChatGPT und Co. Klappt manchmal, finde ich völlig OK.
  • Und zuguterletzt: Jigidis von anderen lösen lassen. Ja, habt Ihr mich erwischt. Habe ich nämlich überhaupt kein Problem mit, ein mit 2 Mausklicks – also ohne Aufwand –  erstelltes „Rätsel“ ohne Aufwand zu lösen, bzw. Lösen zu lassen, gibt ja zum Glück genug Leute, die Spaß am Puzzeln haben.

Wie man sieht, gibt es zwischen den Extremen viele Zwischenstufen, wie Ihr die bewertet, ist Eure ganz persönliche Entscheidung. Für mich ist auch immer der (vermutete) Aufwand beim Erstellen eines Rätsels ein wichtiger Punkt, ein Rätsel, in das jemand Zeit und Aufwand investiert hat, sollte man schon selber lösen, das ist für mich eine Frage des Respekts. Und nicht vergessen: Niemand zwingt Euch, diesen oder jenen Cache zu besuchen.

In diesem Sinne: Bis bald im Wald und happy hunting!

3 Kommentare zu „Fragile moralische Balance“

  1. ich denke man soll sich jeder sein Steckenpferd setzen und *ohm* sagen. ich lasse auch Fragezeichen oder multi Ligen wenn die mir zu lange dauert oder komplex ist, verdirbt mir die Reiselust, wo ich eigentlich nebensächlich Geocaching mache.
    Owner sollten sich mal überlegen ob einfache Tradition Caches wieder in werden, da da mehr Lust ist in Gehenden zu kommen, wo man nicht sonst kommt.
    Anderseits ist es ein Balanceakt von Spaß und Frust.
    ich setze immer bei Reisen immer meist auf traditionelle Geocaches und gut ist.

    ein Beispiel von Balance Frage ist das ich einen gemacht habe, den nie machen wollte, aber mir die Stelle einfach gezeigt wurde, da wir schon in der Nähe sind, das war ein kompliziert Rätsel aus Kombination der Gegend und eines Totenerbes. (will nicht viel verraten)
    eigentlich ist die umpackung und Cache gut gemacht, aber habe mein Cachecollege auch gesagt, sonnst hatte ich den nie gemacht wegen Rätsel.
    naja de hatte mich darauf heiß gemacht. in der Log heißt es auch ja, sonnst hatte ich den nie gemacht, obwohl ich den Stadtort vielleicht ausfindig machen konnte.

    jedem das seine, wenn man sich rotieren im Kreis darüber beschäftigt, lässt es nie los, ich habe mir angewöhnt nicht darüber nachdenken.
    mir ist es halt egal, denn man hat sein eigenes Steckenpferd gesetzt, den daß zählt.

    min sieht sich eventuell auf dem Felde.

  2. Was du beschreibst, ist leider mittlerweile die traurige Realität.

    Die Wenigsten lösen noch selbst, vieles landet direkt nach Publish auf irgendwelchen Listen und werden dann noch schön im Freundeskreis geteilt. In den Logs liest man dann, dass man „Hilfe“ benötigte zum Lösen, man als Cacheowner jedoch nie ein Hilfegesuch bekommen hat.

    Fragt man einen Finder auf einem Events nach einem Tipp zum Lösungsweg, bekommt man dann meistens Schulterzucken zu sehen oder „Ich geb dir gleich die Koordinaten“.

    Auf der anderen Seite, bei den gefühlt immer dümmlicher werdenden Rätseln wie Bilderrätsel, Puzzles, Mysterys, bei denen man sich fragt, was der Owner von einem will, Recherchecaches, bei denen Antworten nicht eindeutig sind und man herumprobieren muss, ist es irgendwo auch verständlich.

    Früher gab es oft Rätsel mit Lerneffekt, wo man sich auch dahintergeklemmt hat, ggf. mit dem Owner geschrieben hat, und heute? Siehe oben.

    Es passiert auch leider bei mir immer seltener, dass mich ein Cache so anspricht, dass ich mich dahinterklemme und die Koordinaten selbst ermitteln will, bei Lab-Cache-Boni und Jigidis nehme ich sehr gern die Abkürzung.

    Das Finden eines Finals anhand der Logbilder kann übrigens auch Spaß machen, wenn man sich in der Gegend auskennt, aber selbst im Ausland hatte ich da schon Glück, wenn man bisschen mit Google Street View umherfährt.

  3. Mit den Jahren ist mir das egal geworden was Andere machen und wie sie cachen. Die einzige Statistik die mich interessiert ist meine. Ich habe für mich meinen Weg gefunden und bin zufrieden damit. Als überwiegend Urlaubscacher und Alleinecacher sieht es für mich wie folgt aus:
    Mysterys: lasse ich nahezu komplett liegen. Keine Lust+ keine Zeit für seltsame Rätsel. (wobei ich auch schon mal welche gefunden habe weil Lücken auf der Karte waren oder Autobahnen in der Vegetation. Idealerweise schreiben Owner ins Logbuch auch wo es zugehört)
    FTF: Bei meinen paar die ich gefunden habe habe ich auch sofort ein FTF abgesetzt und so schnell wie möglich dann den richtigen Log.
    Das einzige wo ich zugegeben lange dran rumknobel und auch rate bis es passt sind Labs, da weiß ich manchmal nicht was sich die Owner bei den Fragen denken.

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