Virtueller Humbug?

Virtueller Humbug?

Ich hatte ja gelegentlich angemerkt, dass die Adventure Lab Caches nicht so richtig ins Konzept von geocaching.com integriert sind. Bei näherer Betrachtung ist das allerdings auch ganz gut so, wenn man sich die Entwicklungen der letzten Jahre und Monate anschaut:

Lasst uns zunächst einmal über klassische Geo-Art reden, also eine Serie von Mysteries, die auf der Landkarte ein Bild ergeben. Nehmen wir mal willkürlich 75 Mysteries, was für ein Aufwand steckt dahinter? Ein ziemlich hoher, wenn man kurz drüber nachdenkt: 75 Caches müssen gelegt, 75 Listings erstellt und eingereicht werden, jeweils mit einer Dose und einem Logbuch. Und Wartung sollte man auch mit einplanen. Also einiges an Aufwand und Materialkosten, auch wenn man es vielleicht auf den ersten Blick nicht sieht plus ggf. Diskussionen mit dem zuständigen Reviewer.

Und wie sieht es auf der Sucherseite aus? Für 75 Dosen braucht man mindestens 12 km Wegstrecke, realistisch sind 15 oder mehr, falls man es überhaupt schafft, die alle entlang einer Route zu legen. Das hat dann einen enormen Impact auf die Besucherzahlen. Wenn die Caches weiträumig verteilt und drive-in-tauglich sind, werden die gut besucht, liegen die abseits an nicht befahrbaren Wegen, werden die „verkehrsgünstig“, also parkplatznah gelegenen Dosen mehr Besucher anziehen als die etwas abseitigeren. Also auch hier kein Selbstgänger und mit Aufwand verbunden(falls man alle geloggten Dosen auch selbst gesucht hat), das kann sich über mehrere Stunden oder Sessions hinziehen, aber immerhin 75 Fundpunkte. Aber geht da vielleicht noch mehr? Oder geht es auch einfacher?

Na klar!

Nehmen wir jetzt mal eine Geoart aus Adventure Lab Caches, wie sieht da der Aufwand aus?

  1. Koordinaten für die GA erstellen(gibt’s Tools für)
  2. 75 ALC-Spender organisieren(abzüglich eigener ALCs) und orchestrieren, die für die jeweilige Koordinate der GA einen ALC mit 5 Standorten nach Vorgabe erstellen
  3. die Veröffentlichung koordinieren

Natürlich ist auch das mit Aufwand verbunden, den ich gar nicht kleinreden will, aber es fallen einige Sachen weg wie Materialbeschaffung, Verstecke finden, Koordinaten einmessen, der komplette Reviewprozess und natürlich auch Wartung. Da es auch keinen Mindestabstand zu beachten gibt, können die einzelnen Standorte auch tatsächlich an einer Koordinate gestapelt werden. Und es gibt nicht 45 Punke, sondern satte 225 Punkte.

Und: Bei ALCs kann man fast beliebig skalieren, das Limit wird nur durch die Anzahl der ALC-Spenden gesetzt, die man auftreiben kann.

Und wie sieht es auf Sucherseite aus?

Sehr bequem: Wo man bei einem physischen Trail irgendwie eine Strecke wuppen muss, kann man ALC-Geoarts bequem sitzend durchklickern und nebenbei noch ’ne Wurst essen und Käffchen trinken ,was zwar durchaus eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt, aber immer noch eine wesentlich höhere Fph-Rate ermöglicht als die klassische Dosensuche.

Und ja, das ist auch eine respektable Leistung, über Stunden hinweg auf dem Smartphone rumzuklickern, bzw. sich überhaupt dazu zu motivieren, stundenlang irgendwo herumzusitzen und auf dem Smartphone rumzuklickern. Das meine ich auch völlig unironisch, mir persönlich wäre das nämlich viel zu schnell viel zu langweilig.

Und was hat das jetzt mit Geocaching zu tun?

Richtig, nichts. Ist ja auch Adventure Lab Caching. Passend dazu ein Zitat aus einem Log zu einem entsprechenden Bonuscache:

(…) Denn die Geoart werden wir nie machen. Das hat für uns nix mit Geocachen zu tun, auf einer Bank sitzen und dumm auf dem Handy umherdrücken.

Ich teile vielleicht nicht die Wortwahl, aber den Kern der Aussage. Das hat nichts mit Geocaching zu tun und insofern ist es auch ganz gut, dass die ALCs noch nicht voll integriert sind. Denn natürlich(?) ziehen diese ALC-Stacks auch viele Cacher an, die dann natürlich an diesem Tag woanders nicht cachen gehen. Die Community hat schon millionenfach unter Beweis gestellt, dass es ihr hauptsächlich darum geht, viel mit wenig Aufwand zu „finden“, da kommen die ALCs gerade recht. Aber wie wirkt sich das auf das übrige Geoland aus?

Variante 1: Extreme Schwarzmalerei

Neben Multis, Einzeltradis und Ratehaken sehen sich nun plötzlich auch Trails  Geo-Arts mit einer übermächtigen Konkurrenz konfrontiert, die ALC-Trails / Geo-Arts locken mit der enormen Punktdichte Besucher an, die dann den vergleichsweise langatmigen Trails fehlen, so dass sich auch hier die Frage stellt, ob man überhaupt noch eine Geocaching-Geoart aufziehen sollte, so dass es irgendwann nur noch ALCs gibt.

Variante 2: Extreme Schönfärberei

Wenn die ALCs Statistikcacher weg von den physischen Dosen locken, werden diese vielleicht weniger von Lösungslistenabarbeitern besucht, das Spiel kehrt wieder zu seinen Wurzeln zurück und die Trails trocknen aus.

Welche der beiden Varianten eintritt, ob überhaupt eine eintritt, die Wahrheit irgendwo dazwischen  liegt oder weiterhin beides einfach weiter funktioniert, kann natürlich niemand sagen.

In diesem Sinne: Bis bald im Wald und happy hunting(bevorzugt Dosen)!

 

 

2 Kommentare zu „Virtueller Humbug?“

  1. Ich mache lieber einen 50er Trail und habe Bewegung, als mich für 50 Lab-Gummi-Punkte auf eine Bank zu setzen

  2. Es wird immer absurder, wie damals die ersten Challenge-Caches, bei denen man sich z.B. anmalen musste und ein Foto posten sollte.(wobei die Logbedingungen bei einigen Bestand Challenges genauso absurd sind, nur halt mit Geocaching Bezug)
    So artet es nun auch seit einiger Zeit bei den Labs aus, nicht mehr das Erlebnis Zählt, sondern der Punkt und der bitte möglichst ohne Aufwand.
    Einige „Geocacher“ sehen das Hobby als Wettbewerb, „schmücken“ sich mit vielen Punkten…

Die Kommentare sind geschlossen.

Die Kommentare sind geschlossen.