Cachesättigung erreicht oder Geocaching mal wieder tot?

In einem meiner letzten Beiträge nahm ich eine vom Benebelten veröffentlichte Statistik zum Anlass, die Entwicklung der Dosengrößen im Verlauf der Jahre genauer zu beleuchten. Heute hingegen möchte ich die Statistik selber einmal unter die Lupe nehmen und bewerten. Das Thema hat in der Community durchaus Resonanz gefunden, weil es auch die Themenkomplexe Geocaching ist tot und Früher war alles besser berührt ;-)  Schauen wir uns zunächst die Statistik an:

Statistik

Original: twitter.com

Nach einem Maximum mit über 100.000 ausgelegten Caches im Jahre 2012 nimmt  die Zahl seitdem kontinuierlich ab, wobei der Anteil von Event-„Caches“ seinerseits massiv ansteigt. Was ist nun davon zu halten? Die einfache – und garstige – Interpretation zur Entwicklung bei den Events ist: Events machen keinen Aufwand, sind schnell erstellt und unglaublich leicht zu loggen, weil die Logbuchklausel entfällt. Ausnahmen in Form gut gestalteter Events gibt es natürlich auch, ist bei physischen Caches ja nicht anders. Gestärkt wird diese These durch die Zunahme von Kurz- und Ultrakurzevents der Sorten „XY wartet auf den Zug“, „XY geht zum Burgerladen“ und natürlich „Heute gibts ein Souvenir“, die Groundspeak zur Einführung einer Mindestdauer von Events veranlasst haben. Es ist ja nun wesentlich einfacher, mal eben kurz in der Stadt irgendwo anzuhalten, als die letzten Reste in einer weitgehend leergefischten Homezone aufzusuchen. Oder auch einfach nur zu loggen, dazu muss man nicht mal Mitglied einer Stempelbande sein.

Der Vollständigkeit halber möchte ich aber auch einen anderen Erklärungsansatz erläutern, der eher communitykonform ist: Geocacher sind nun einmal ein geselliges Völkchen, man ist mit Gleichgesinnten zusammen, hat Spass, kann Netzwerken, kriegt den einen oder anderen Tipp oder gleich die Finalkoordinaten, kann TBs discovern – kurz: die Freizeit gestalten :-)

Das war der Übergang zum Hauptthema: Sinkende Publishzahlen. Wie kann das sein, wo die Community doch so stark und Geocaching so ein tolles Hobby ist, dass die Cacher bei jeder Gelegenheit Events veranstalten? Die Frage, was passiert, wenn Events irgendwann mal das Schicksal der Waymarks ereilt und sie ausgegliedert werden, soll an dieser Stelle nur aufgeworfen, aber nicht erörtert werden ;-) Es gibt mehrere Erklärungsansätze, von denen ich einige bewerten werde:

1. Es ist kein Platz mehr vorhanden. Mittlerweile ist ganz Deutschland flächendeckend bedost.
Beim Auslegen gibt es immer mehr Abstandskonflike mit  irgendwelchen doofen Multis oder Mysteries. Das mag für Ballungsräume wie Hamburg zutreffen. Bei Mysteries lohnt es sich in der Tat, mal an den Finallocations archivierter Caches nachzuschauen, wenn in der Nähe ein Neuer veröffentlicht wurde. Aber auch Hamburg ist nicht flächendeckend bedost. Nur kann man in der Stadt eben nicht alle 180 Meter ein passendes Versteck finden. Etwas weiter außerhalb der Städte, wo Geocaching meiner Meinung nach primär stattfinden sollte, sinkt die Cachedichte sehr schnell auf weniger als 1 pro km2. Und etwas oder viel weiter weg von den Straßen liegen auch Caches, die einen größeren Zeitaufwand verursachen und überhaupt keine Nachbarn haben, wo man dann auch mal eine halbe Stunde oder länger zum Ziel braucht. Ich behaupte, dass jede Homezone noch unbedoste, cachetaugliche Locations(das Wasserschild im Wohngebiet ist keine cachetaugliche Location!) hat, man muss sie bloss finden :shock: Es ist also recht problemlos möglich, aber eben (zeit-)aufwendiger,  neue Caches konfliktfrei zu verlegen, wenn man denn gewillt ist, auch mal ein wenig Zeit zu investieren.

2. Kein Bock(dreifach).
Das Auslegen von Caches macht keinen Spass(mehr). Man muss einen freien Platz finden, die Dose legen, sich um die Dinger kümmern und kriegt eh nur  Kurzlogs als Feedback. Diese These ist die ehrlichere Variant von No.1 ;-) In der Tat kriege ich immer wieder Logs, bei denen ich die Notificationmail nach einem kurzen Blick – oft reicht auch schon der Cachername – gleich lösche. Kurzlogs lassen sich natürlich nicht vermeiden, aber was erwartet der Owner der x-ten Filmdose unter der Parkbank denn? Gebt Euch mehr Mühe beim Auslegen, dann kommen zumindest ein paar lesenswerte Logs! Und sich ein wenig mehr mit einem Projekt zu beschäftigen und mal ein wenig kreativ tätig zu werden macht auch Spass, garantiert :-)

Kein Bock  dürfte auch die Quelle der stetig steigenden Anzahl von Tradis, vorzugsweise Mikro sein: Einfach zu legen, einfach zu finden, einfach zu loggen, einfach zu ersetzen – und einfach zu vergessen, nachdem das Log abgeschickt wurde. Dieses um sich greifende Motivationstief verhindert natürlich nicht das Auslegen der Caches, aber die um sich greifende Niveaulosigkeit schreckt dann vielleicht doch den einen oder anderen Neuowner ab.

Der dritte Nichtbock ist dann derjenige, für den ich Verständnis habe: Jegliche Bastelei oder Installation wird über kurz oder lang von Grobmotorikern zerstört. Vogelhäuschen werden abgerissen, alles wird zerrupft. Viele Cacher brechen die Behälter auf, wenn sie sie nicht geöffnet bekommen. Das kommt leider immer wieder vor, kann aber durch aussagekräftige Hints und Spoilerbilder zumindest zum Teil (aber eben nicht gänzlich) abgefangen werden. Nicht vergessen: Caches sind dazu da, um gefunden zu werden, Spoiler machen es nicht zu einfach, sondern sind ein sehr gutes Mittel, Frust, Zerstörungen und Suhlparties zu vermeiden.

3. Die alte Garde tritt ab.
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die ersten Owner nach über zehn Jahren nicht mehr alle dabei sind, Prioritäten im Leben veschieben sich, Umzüge, andere Hobbys, Familie, der eben diskutierte Keinbock(1) schlägt zu. Dazu sage ich: Ja und? Es ist auch heute noch möglich, gute Caches zu legen, auch damals war nicht alles Gold, was logfähig war. Auch im Jahre 2016 stechen immer wieder tolle Caches aus dem Einerlei heraus, auch Neueinsteiger beteiligen sich an Initiativen zum Auslegen besserer Dosen. Geocachen lernt man durch Doing und Beobachten. Die ersten Funde sind nach meiner Auffassung ganz entscheidend für die spätere Laufbahn, weil prägend. Und wer seine ersten hundert Funde in Form von Straßenrandmikros macht, legt selber später auch welche aus. Ebenso gilt: Wer seine Laufbahn mit Feld- oder Waldcaches beginnt und mehr findet als Petlinge hinterm Baum, wird später auch entsprechend legen, wenn möglich.

4. Geocaching ist tot
Ständig nur irgendwelche lieblos hingeworfenen 0815-Caches, das ist langweilig. Das Spiel entwickelt sich nicht mehr weiter. Früher war es üblich, dass die Sucher die Logbücher und Dosen ersetzten und man sich gegenseitig half. Da spiele ich lieber Ingress. Geocaching lebt von den Teilnehmern. Und in der Tat gibt es da draußen eine Menge Nonsensedosen und in der heutigen Zeit steht die schnelle Befriedigung von Bedürfnissen im Vordergrund, da ist für viele „keine Zeit“, sich mit dem Auslegen zu beschäftigen, wenn man doch in der Zeit lieber ein paar Dosen finden kann. Und da wird es interessant: Wieso hat Cacher X Zeit, Ingress zu spielen und nebenbei zu Cachen(oder umgekehrt), aber keine Zeit, sich um seine Dosen zu kümmern oder neue auszulegen? War früherTM wirklich alles besser? Gab es in der goldenen Zeit wirklich nur Munitionskisten an tollen Locations zu finden? Ganz klar: Nein :-) Auch die vielbeschworene Kollegialität von damals kann ich so nicht nachvollziehen. Geocaching ist und bleibt ein tolles Hobby, meinetwegen auch sein Spiel. Es war niemals einfacher als heute, gute Caches zu legen, es gibt Shops mit allem erdenklichen Zubehör, Tutorials, Anleitungen, eine starke Community. Ein guter Cache hat einen Materialwert von weniger als 5 Euro, das ist ein Bruchteil von dem, was man auf Events oder an der Tankstelle lässt. Warum nicht also ein paar Euros in die Hand und sich ein wenig Zeit nehmen und einfach mal den (erneuten) Sprung ins kalte Wasser wagen?

In diesem Sinne: Bis bald im Wald und happy hunting!

Tagged , , , . Bookmark the permalink.

Comments are closed.