Piscatores pyxidum: Aus den Angeln ge-raten?
Vor ein paar Tagen fing es an: Ein Reload eines ALC-Bonus wurde veröffentlicht. Flugs die Formel ausgefüllt, dann die Koordinaten gecheckt – und dann erst bemerkt, dass es ein Angelcache ist. Tja. Dann kam ein 2. Mystery, der auch Spaß machte. Und ein Angelcache ist. Nun gut, beim 3. gab es mal eine Abwechslung. Nein, keine Sorge, es war auch ein Angelcache. Aber dieses Mal konnte Gemini das Rätsel mitsamt Koordinaten mit dem ersten Prompt lösen. Bei der Nummer 4 setzte dann ein Lerneffekt ein und ich checkte das Listing im Vorfeld – japp, ein Angelcache. Als ich das selbe Spiel beim 5. wiederholte, fragte ich mich, ob diese Angelei nicht langsam überhandnimmt: 5 Caches von 4 Ownern, allesamt mit Angel. Und so entstand dieser Artikel.
Die Zahlen
Für jedes aufgeführte Jahr habe ich in einem Radius von 40km alle Tradis und Mysteries, die bis zum August gelegt und veröffentlicht wurden, erfasst; alle Auswertungen beziehen sich auf diesen Datenbestand. Dann habe ich nach folgenden Kriterien die Angelcaches herausgefiltert:
- Kombi Special Tool required + Tree climbing explizit verneint
- Hint enthält das Wort „Angel“
- Titel enthält das Wort „Angel“
- Beschreibung enthält das Wort „Angel“ freistehend (um Worte wie Mangel auszuschließen)
- Beschreibung enthält das Wort „Angelca“ (um kreative Schreibweisen von Cache mit abzudecken)
- Hint enthält eine Meterangabe
Das habe ich alles stichprobenartig geprüft; es hat aber mit Sicherheit ein paar false positives (z.B.: „dies ist kein Angelcache“) und false negatives gegeben, aber für eine Übersicht reicht es vollkommen aus.
Die Tabelle zeigt die prozentualen Anteile von Angelcaches am Gesamtaufkommen.
| Jahr | %Angelcaches |
|---|---|
| 2023 | 16.8 |
| 2024 | 12.8 |
| 2025 | 21.7 |
| 2026 | 15.7 |
Kumuliert liegt der Anteil von Angelcaches bei 16.7%.
Sonderfall Jigidi
Da sich Jigidis genau wie Angelcaches nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen, habe ich auch hier ein paar Zahlen auf derselben Datenbasis ermittelt:
26.4% aller Mysteries sind Jigidis. Das ist erschreckend, denn das heißt, dass über ¼ aller Mysteries mit – sorry – Nullaufwand erstellt werden, eventuellen Aufwand beim Listing mitsamt selbst verfasster Texte mal außer Acht lassend. Andererseits ist Nullaufwand ja genau das, was ein großer Teil der Community anstrebt; da ist es nur konsequent, auch beim Erstellen von Caches Aufwand so weit wie möglich zu vermeiden. Wie es bei den restlichen ¾ aussieht, kann ich nicht sagen, vielleicht will ich es auch gar nicht wissen. Und es ist ja auch immer eine subjektive Einschätzung.
13% aller Angelmysteries sind Jigidis. Das wiederum überrascht mich; hier hatte ich einen höheren Anteil erwartet, wobei 13% auch schon eine Menge ist.
Wo ist eigentlich das Problem?
Jetzt könnte man sagen: „Wo ist das Problem? Jeder soll das Spiel so spielen, wie er es für richtig hält.“ Nun, das enthält auch, das Spiel auf gewisse Weisen nicht zu spielen. Ich mag diese Spielart aus mehreren Gründen nicht:
- Das Spiel, das wir hier betreiben, heißt Geocaching. Nicht Dendrocaching, nicht Agkistrocaching, sondern Geocaching. Verstecke eine Dose und lass andere danach suchen. Nicht: Hänge eine Dose in einen Baum und lass andere zur Verwunderung von Muggeln im Baum rumstochern.
- Ich habe schon vor vielen Jahren beschlossen, keine ECA zu kaufen, die ausschließlich fürs Cachen da ist. Und mir fällt absolut nichts ein, was man mit einer Cacheangel noch tun könnte.
- Ausrüstung, die nicht in meine (durchaus geräumige) Tasche passt, bleibt zuhause. Das ist der Tatsache geschuldet, dass ich grundsätzlich nur zu Fuß unterwegs bin. Wer mit einem Kofferraum voller ECA von Cache zu Cache fährt, wird das sicher anders sehen.
- Ich stand schon mehr als einmal unter einer Dose, weil aus dem Listing überhaupt nicht hervorging, dass es eine Angeldose war. Der Hint „Acht Meter“ ist zwar absolut korrekt, nützt mir aber nichts, wenn ich ihn erst vor Ort lese.
- Bei den Jigidis – ob nun mit oder ohne Angel – kommt noch hinzu, dass das für mich keine echten Mysteries sind. Wie oben schon angerissen, ist das einfach nur Rumklicken auf einer Webseite, null Aufwand, keine kreative Leistung. In der Tat ist das die einzige Sorte, bei der ich überhaupt kein Problem damit habe, mir die Koordinaten zu besorgen und sie auch weiterzugeben.
Ich habe auch schon mal geangelt – man muss ja Dinge auch mal ausprobieren – und der reine Vorgang ist nichts für mich. Wenn ich vor Ort eine Angel aus Zweigen und Paracord improvisieren kann – OK, das ist dann aber wieder der MacGyver-Effekt, der den Abenteueraspekt beim Geocaching betont. Auch so etwas, was viel zu kurz kommt.
In diesem Sinne: Bis bald im Wald und happy hunting!
Nachtrag vom 30.08: No. 6 ist rausgekommen. Ihr ahnt nicht, was für ein Tool man dafür braucht…
4 Kommentare zu „Piscatores pyxidum: Aus den Angeln ge-raten?“
Zum Nachtrag: ein Tauchcache? Hab ick noch nicht
Rentnersport: Man kleidet sich in ES-Klamotten, besorgt sich ein Offroad-Fahrzeug, Pedelec und vielleicht einen E-Scooter, aber löst erstmal stundenlang Jigidi-Puzzles. Am Pedelec wird noch ein HT-Rohr als Halter für die Angel befestigt – perfekt gerüstet fürs Outdoorabenteuer. Im Idealfall kann man direkt vorfahren, um den 5/5er zu angeln.
Als Abwechslung oder bei Schnee finde ich es mal okay, und es gibt sicherlich auch gute und lustige Angelcaches, aber sie nehmen Überhand.
Interessante Statistiken sind das übrigens.
Erst neulich stand ich an einer mit Tradis gespickten, vielbefahrenen Straße, zwischendrin immer mal eine Angeldose, und fragte mich: „was soll sowas?“ (ich sollte mir ein Gewehrfutteral dafür kaufen, dann fragt jedenfalls keiner mehr, was ich mit mir trage).
Die Highlights für mich sind die mit schweren Gegengewichten gespickten Angelcaches über einem Parkplatz oder sogar am Ast über einer Straße hängend. Das habe ich leider schon mehrfach erlebt und frage mich, was mit den Ownern nicht stimmt. Auch bei Stahlring und Hufeisen im Baum könnte man schon versuchte Körperverletzung unterstellen. Aber gut – soll jeder seinen Zeitvertreib gestalten, wie er möchte. Auf Events drehen sich die Gespräche sicherlich darum, wer die längste hat
Man hat sich mit Angel- und Jigidicaches irgendwie „abgefunden“, aber nerven tun die Dinger dennoch. Gerade bei Jigidicaches würde ich mir seitens GS mal ein Moratorium oder Bann wünschen, find die Dinger einfach unheimlich unkreativ und am Schlimmsten sind Owner, die eine Teileanzahl jenseits der 80-100 Teile einstellen.
Jigidis mit 500-600 Teilen, da unterstelle ich, dass man damit nur die Cacher ärgern will.
Ick mag Angelcaches. Sowohl finden als auch verstecken.
Unser Hobby ist so „bunt“, man kann alles machen, muss nicht. Erst letztens unterwegs gelesen, dass man eine Angel braucht. Hmmm, ok, schau ick mal. Nur so ca. 4m hoch, im Wald trockene Äste gefunden, einer passte. Und schwupps, 3 Angelcaches.
Selber habe ick auch viele Angelcaches „gelegt“, sind wartungärmer als Caches, die am Boden liegen o. bis in 2m Höhe. Und mit der leichten Angel kann ick auch 20km wandern.