Halloween Special: Stimmen im Wald

Halloween Special: Stimmen im Wald

🎃 „Gott sei Dank“, dachte sich Jenny, das war „Herz des Waldes, linke Herzkammer #12“. Es war ein nebliger Oktobertag. Insgesamt 27 Caches hatten sie und Micha sich für heute vorgenommen, eine neue Jigidi-Ratehakenrunde im Hennwald. Die Koordinaten hatten sie von Paul bekommen, der genau wie seine Frau gerne Jigidis löste. Sie blickte auf den Logstreifen: Die üblichen Verdächtigen waren schon da gewesen: Dosen-Otto, Die Dosinger, Cedric und einige andere. Pauls Eintrag fehlte, aber er hatte schon im Gruppenchat verkündet, die Runde meiden zu wollen, weil ihm der Hennwald unheimlich war. Micha und Jenny hatten gelacht. „So ein Spinner“, hatte Micha gesagt. „Aber nun gut, er hat uns immerhin alle Koordinaten gegeben.“

🎃 Mittlerweile war Jenny nicht mehr zum Lachen zumute, der Nebel wurde immer dichter. Sie und Micha hatten sich getrennt – getrennt cachen, vereint loggen –, um die Runde zügig abklappern zu können. Sie notierte die Bonuszahl und machte sich auf zur nächsten Dose. „Hier hinten vielleicht?“ Sie zuckte zusammen. Die Stimme kam aus dem Nebel und kam ihr bekannt vor. „Sicher andere Cacher“, sagte sie sich. 27 Dosen, das lockte natürlich einige Cacher an. Auf dem Parkplatz hatten vorhin mehrere Autos gestanden, auch wenn sie bisher niemandem begegnet war. Sie ging weiter. „Nein, schau mal bei dem Stein da!“ Die Stimme war jetzt näher. Sie war sich sicher, dass es Dosen-Otto war. Sie lächelte erleichtert. Als sie am GZ ankam, war dort allerdings niemand. Den Cache fand sie nach ein paar Augenblicken hinter einem Stein. Offenbar waren Dosen-Otto und Don Dieter, sein Cacherbuddy, schon weitergezogen; sie wollten wohl auch schnell fertig werden.

🎃 Sie schrieb Micha per Telegram an:

> „Schatz, erschreck dich nicht, Otto und Dieter sind auch auf dem Trail. Sind gerade von der #13 los.“

Micha antwortete prompt:

> „OK cool, der Nebel wird ja echt immer dichter. Danke für die Warnung. Dann machen wir es uns nachher schön mit Pizza gemütlich :-)“

Micha steckte das Handy wieder weg. Er war auch schon recht weit und befand sich gerade auf dem Weg zu „Herz des Waldes, rechte Herzkammer #13“. Dann mussten Don und Otto ja gleich auftauchen. Auch wenn er es nicht zugeben wollte, ihm wurde es langsam ebenfalls unheimlich. „Na, zu viert sollte der Bonus ja ein Klacks sein“, dachte er sich. Er zuckte zusammen, als eine Stimme ertönte: „Schau mal bei dem Pfosten da! Ich will hier raus, das ist ja richtig gruselig hier!“ Micha lächelte – das war Michael von den Dosingern, deren Einträge er vorhin auf den Logstreifen gesehen hatte. „Na, das wird ja ein richtiges Event hier!“, rief er, als er an den Koordinaten ankam. Aber dort war niemand.

🎃 „Komisch“, dachte er sich. „Aber vielleicht sind die ja schon weitergezogen.“ Er informierte Jenny und wartete auf Otto und Dieter. Nebenbei warf er einen Blick in den Chat. Vor ein paar Stunden hatte Otto geschrieben:

> „Wow, ganz schön nebelig hier, aber es geht gut voran. Ist irgendwer noch unterwegs? Wir hören Stimmen, die Kollegen sind uns aber immer eine Nasenlänge voraus.“

Dann, einige Zeit später die Dosinger:

> „Ey Otto, Dieter, wartet mal, wir sind knapp hinter euch.“

Da keine weiteren Nachrichten da waren, ging Micha davon aus, dass sie sich gefunden hatten. Seltsam war nur, dass die eigentlich seit Stunden fertig gewesen sein müssten. Schritte näherten sich. „Na, ihr Dosensüchtel!“, rief er. Aber es war nur Jenny. „Hö?“, sagte sie. „Wo sind Dieter und Otto? Schon weiter?“ – „Nee, die sind noch nicht hier. Sind wohl schon auf dem Weg zum Bonus.“ – „Ja, kann sein.“ Jenny deutete auf den Nebel. „Da hinten zweigt ein Weg ab, da muss es auch zum Bonus gehen.“ – „Ja, die Dosinger sind wohl auch dahin.“ – „Ach ja“, entgegnete Jenny, „die habe ich nicht gesehen. Komisch eigentlich.“ – „Allerdings“, sagte Micha, „die waren ganz knapp vor mir. Aber laut Chatverlauf sind die die Runde schon vor mehreren Stunden angegangen. Aber egal, lass uns mal die Bonuskoordinaten berechnen.“ Sie trugen ihre Zahlen zusammen und verglichen sie mit dem Listing. „Ja, das passt“, sagte Jenny, „Richtung Nord-Nordwest“, und deutete hinter sich. „Na dann los!“

🎃 Es waren ca. 300 Meter. Jetzt, wo sie wieder zusammen waren, war beiden etwas weniger unheimlich zumute. Kurz vor der GZ ertönte eine Stimme aus dem Nebel: „Na, schon gefunden?“ – „Nee, laut Hint ‚Pforte‘, aber hier ist weit und breit nichts, was wie eine Pforte aussieht.“ – „Mal wieder typisch!“, ertönte eine dritte Stimme. Micha grinste – das waren Martina, Mark und ein dritter Cacher, dessen Stimme ihm ebenfalls bekannt vorkam. Er stieß Jenny an: „Pssst, die erschrecken wir jetzt schön, ist ja schließlich Halloween!“ Jenny verzog das Gesicht; ihr wurde es wieder unheimlich. Aber sie nickte. Behutsam näherten sie sich dem GZ, wo die Unterhaltung munter weiterging „Happy Halloween!“, rief Micha. Aber niemand war zu sehen.

🎃 „Das kann doch nicht angehen“, raunte Micha. „Die waren vor einem Moment noch da. Sind wir denn richtig?“ Micha blickte auf die App. „Ach nee, 300 Meter in die Richtung!“ – „Komisch“, sagte Jenny, „eben waren es noch 10 Meter.“ – „Ham’ wir uns halt verguckt, war ja auch ein langer Marsch. Komm Schatz, da entlang, ich höre die anderen schon.“ In der Tat ertönten aus der Ferne die bekannten Stimmen ihrer Kollegen. „Na dann los!“ Als sie näher kamen, wurden die Stimmen lauter. Dieter, Otto, Martina, Mark und noch ein paar andere waren offenbar schon fleißig am Suchen. Jenny blickte auf die App. „Hint: Torbogen.“ – „Torbogen? Nicht Pforte?“ – „Nee“, sie zeigte ihm die App. „Stimmt“, stimmte er zu. „Dann mal los!“ Zügig gingen sie Richtung GZ. Die Stimmen waren jetzt deutlich zu hören. Ein richtiges Stimmengewirr.

🎃 „Das kann doch nicht angehen!“ Wieder war niemand zu sehen. „Bist du sicher, dass wir richtig sind? Lass uns noch mal die Formel checken.“ Sie riefen das Listing auf und verglichen es mit den Bonuszahlen. „Verdammt! Die Koordinaten sind noch 400 Meter entfernt. Hint: Steinhaufen.“ – „Steinhaufen?“, hauchte Jenny. „Erst Pforte, dann Torbogen, jetzt Steinhaufen … Was geht hier vor?“ Micha wirkte verunsichert. „Vielleicht ist der Owner gerade am Listing dran.“ Aber er klang nicht überzeugt. „Also gut“, Jenny atmete tief durch, „einen Versuch noch, dann ist Schluss, okay?“ – „Okay“, stimmte Micha zu. „Wir kommen ein anderes Mal wieder, wenn es jetzt nicht klappt. Komm, ich höre die anderen schon.“

🎃 Aus dem Nebel schälte sich langsam die Silhouette eines Turms. „Was ist das?“, fragte Jenny. „Von einem Turm im Hennwald habe ich noch nie was gehört.“ – „Ach doch, Paul hat so ein Faible für Heimatkunde. Er hat mal was von einem Turm im Hennwald erwähnt, in dem angeblich eine Hexe wohnte, die Kinder in den Wald gelockt hat. Ammenmärchen!“, schnaubte Micha. Jenny sah verängstigt aus. „Mach keine Scherze, da habe ich jetzt keinen Bock drauf! Außerdem müssten wir schon längst aus dem Wald raus sein – so groß ist der Wald ja nun auch nicht.“ – „Sicher?“ – „Ja!“, sagte sie mit Nachdruck. „Na gut, dann lass uns jetzt die Dose suchen. Der Hint ist …“ Er erstarrte. „Am Fuße des Turms.“

🎃 „Komm, lass uns das doofe Ding finden und dann nix wie weg“, schlug er vor. Sie gingen zum Turm. „Da!“, schrie Jenny. Am Boden lagen GPS-Geräte, Smartphones, Taschen, Rucksäcke und ECGA. Aber keine Spur von den anderen. „Ich will hier weg, sofort!“ Micha konnte nur nicken. „Ey Micha, Jenny! Kommt, wir haben den Cache fast gefunden!“ Sie blickten auf: Am Rande der Lichtung stand eine Gestalt, die ihnen zuwinkte und dann tiefer in den Wald ging. „Wer war das?“ – „Keine Ahnung, die Stimme habe ich noch nie gehört.“ – „Egal, weg hier. SOFORT!“, sagte Jenny mit Nachdruck. Sie wandten sich um und gingen zügig zurück. „Hey!“, rief die Stimme. „Keine Lust auf einen Team-FTF?“ Sie gingen nicht darauf ein. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten sie endlich den Parkplatz, der komplett leer war. „Was zum …?“, setzte Micha an, aber Jenny ging nicht darauf ein. „Weg hier!“ Rasch fuhren sie los.

🎃 Sie sprachen erst wieder, als sie sicher zu Hause angekommen waren. „Was für ein Horrortrip!“, seufzte Jenny. „Ja“, stimmte Micha zu. „Was zum Teufel war da los?“ – „Keine Ahnung“, sagte Jenny. „Wie ein schlechter Traum.“ – „Ja. Komm, lass uns loggen. Ach schau, noch kein einziges Log auf der Runde. Die sind wohl alle noch im Wald. Einen reichlich komischen Humor haben die!“ Micha ging in die Telegramgruppe, dort war in der Zwischenzeit nur eine Message von Paul aufgetaucht, der sich über die Ruhe im Kanal wunderte. Micha setzte eine Nachricht ab:

> „Die sind offenbar alle im Hennwald unterwegs. Wir mussten leider abbrechen, sonst wären wir zu ihnen gestoßen ;-)“

Keine Reaktion, auch nicht von Paul, der als online markiert war. „Sind wohl im Funkloch“, zuckte er mit den Schultern. Dann starrte er auf den Bildschirm. Im Communitychat war eine neue Nachricht von Holger aufgeploppt:

> „Ey Micha, Jenny, wir sind auch im Hennwald! Wir haben gerade eure Stimmen gehört. Und die vom Don und den anderen! Wartet mal auf uns!“

ENDE

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