Fundquote rückläufig?

Der Untergang des Geocachings ist für jeden leicht nachvollziehbar nach wie vor auf unbestimmte Zeit aufgeschoben, allen Unkenrufen zum Trotz. Nachdem zum Jahresanfang ein Rückgang der Publishzahlen gemessen wurde, hielt die Geowelt – oder ein Teil davon den Atem an. Wie würde es jetzt weitergehen, so ganz ohne Nachschub? Nun, natürlich kommen neue Caches nach und nach wie vor sind viele alte Caches da draußen noch aktiv, aber reicht das, um das Spiel am Laufen zu halten?

Ich habe mich ein wenig mit dem Kennwert Fundrate, also der gemittelten Anzahl der Funde pro Tag im jeweiligen Jahr. Meine persönliche Fundrate ist seit Jahren rückläufig, aber betrifft das auch den Rest der Welt? Gibt es hier verschiedene Trends, teils-teils? Das galt es herauszufinden :-)

Methodik

Zunächst galt es, Daten zu beschaffen. Dies geschah so: Ich habe mir zunächst gutbesuchte/bekannte/beliebte Caches herausgesucht. Zunächst habe ich mir eine Liste hochfavorisierter Caches bei Fediars Blog herausgesucht, diese ist zwar etwas älter, aber für meine Zwecke ausreichend. Zu den zehn dort gefundenen Caches fügte ich noch einen auch von Touristen hochfrequentierten Kölner und einen Hamburger Cache hinzu, somit hatte ich eine Basis von 12 Caches:

Aus diesen suchte ich dann unter den jeweils letzten Findern jeweils 10-15 Profile heraus und filterte alle Dubletten und Profile heraus, die erst nach dem 31.12.2014 mit dem Cachen angefangen hatten, denn ich wollte den Zeitraum von 2015 bis heute1 untersuchen. Ebenfalls gestrichen wurde diejenigen, die ihre Statistiken auf private gestellt haben – schließlich muss man Daten auch sehen können. So blieben 114 Profile übrig, aus denen ich die Fundraten für die Jahre 2015 bis 2017 extrahierte

Jetzt gab es noch eine Klippe zu umschiffen: die Cacheintensität ist natürlich von Cacher zu Cacher unterschiedlich, einige haben ein paar Dutzend Funde im Jahr, andere ein paar Tausend. Also normalisierte ich die Daten: Für jedes Profil wurde ein Normalisierungsfaktor berechnet, der die Fundrate von 2015 auf 1 setzt und die der folgenden Jahre entsprechend anpasst. Beispiel:

2015 => 0.0712
2016 => 0.265
2017 => 0.1115

Der Korrekturfaktor ergibt sich aus 1:0.0712 = 14, so dass die normalisierten Werte so aussehen:

2015 => 1
2016 => 3.71
2017 => 1.56

Ergebnis

die betrachteten 114 Statistiken ergaben dann ein für mich doch überraschendes Ergebnis, ich hatte etwas anderes erwartet:

Globale Tendenz:
2015: 1.00
2016: 1.92
2017: 3.03

Fundrate 2017 gößer als Fundrate 2015: 57%
Fundrate 2017 kleiner als Fundrate 2015: 43%

Die jährlichen Fundraten haben sich seit 2015 praktisch verdreifacht, etwas, was ich nicht erwartet hatte, da in meinem Umfeld die Cacheaktivitäten größtenteils abnehmen – da sieht man mal, dass ein Blick aus der eigenen Filterblase heraus  sich durchaus lohnen kann ;-) 57 Prozent der Cacher haben ihre Fundrate erhöht, 47 Prozent gesenkt.

Deutung

Zunächst einmal sind die 114 Profile nur ein kleiner Ausschnitt aus der Cacherlandschaft in Deutschland, ob das Ergebnis anders wäre, wenn 10.000 zufällig ausgewählte Profile betrachtet worden wären, vermag ich nicht zu sagen. Ich vermute aber, dass sich an der Tendenz steigender Fundraten nichts ändern würde.
Halten wir fest: Nach wie vor wird fleißig gesucht und gefunden. Ob dieser Anstieg nun gut ist – hohe Aktivität, oder schlecht: größtenteils popelige Massendosen ohne größeren Aufwand – sei einmal dahingestellt, meine Meinung dazu ist bekannt ;-)

In diesem Sinne: Bis bald im Wald und happy hunting!

1Da die Fundquote relativ angegeben wird, macht es nichts, dass das Jahr 2017 noch nicht beendet ist, die Anzahl wird lediglich durch 204 anstatt 365 geteilt.

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4 Responses to Fundquote rückläufig?

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  2. palk says:

    aloha.

    kurze anmerkung: ich denke deine datenerhebung ist irreführend. durch die fokussierung auf „high quality caches“ und die finder derselbigen, bekommst du als grundlage gerade cacher, die sehr bewusst cachen gehen. weil diese caches (gerade heldenwald) macht man mal nicht einfach so, da geht man ganz bewusst hin, plant das. man ist also eigentlich kein „normalcacher“ sondern schon jemand, der sich (sehr) aktiv mit dem hobby beschäftigt.
    du selektierst die cacher raus, die ihre statistik verbergen. warum tun sie dies? weil sie ihnen egal ist, weil sie cachen gehen, wie sie wollen, weil sie auf ihre punkte pfeifen, sich nicht dem „gesellschaftlichen“ druck nach höher, schneller, weiter aussetzen? gerade diese cacher hätten ganz bewusst in deine statistik mit rein gemusst (und „dank“ project-gc wäre die datenerhebung, trotz versteckter statistik ja kein problem).

    eventuell könnte man das pferd anders rum aufzäumen, nicht nach den funden der cacher gucken, sondern nach den fundlogs der caches? beispiel: GC karte rauszoomen auf deutschland, willkürlich 20 caches klicken, gucken, dass sie mindestens seit zeitpunkt x (vor zum beispiel 2015) liegen und dann die fundentwicklung anschauen?

    VG,
    palk

  3. Zunächst einmal ein dickes „Hut ab!“, da hast du dir wirklich eine Menge Arbeit gemacht.
    Dein Vorgehen kann ich soweit nachvollziehen, verstehe aber nicht so ganz, warum Du nicht auch Profile ausgewählt hast, die schon vor 2015 mit Geocaching begonnen haben.
    Dass die Mehrheit der Cacher ihre Fundquote des ersten aktiven Jahres steigert, überrascht mich nicht.
    Gefühlt kommt es mir allerdings auch so vor, dass die Fundquoten generell rückläufig sind. Aber da kann ich mich auch täuschen.
    Auf jeden Fall ist das eine interessante Auswertung.
    Beste Grüße
    Röbü

    • Autor says:

      Moin,
      es stimmt natürlich, dass die Kurve bei den nächsten zunächst steil nach oben geht, war bei mir auch so. Deswegen habe ich ja auch 2015 mit reingenommen, so dass die Kurve bis 2017 „abklingen“ kann. Ich hatte ja auch erwartet, dass die Quoten rückläufig sind, umso überraschender das Ergebnis.
      Falls da ein methodischer Fehler drin ist: Vielleicht legt ja noch jemand eine Schippe nach. Ich habe da so eine Ahnung, dass anderswo gerade etwas ähnliches in Arbeit ist ;-)

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